Duo Schlesinger Lackerschmid & Andreas von Studnitz
22. April 2026
Sternstunde der Poesie bei „Lyrik und Jazz“ in der Stadtbuchhandlung: Schlesinger, Lackerschmid und von Studnitz in Topform.
Stühle und Platz haben kaum ausgereicht, um die vielen interessierten Besucher des Lyrik-Jazz-Projektes in dem behaglichen Ambiente der Stadtbuchhandlung zu fassen. Die bereits gut für kleinere Veranstaltungen eingeführte Location und deren Betreiber ermöglichten in einer Kooperation mit dem Jazzclub Biberach im Rahmen des Landesjazzfestivals Baden-Württemberg diese ambitionierte Veranstaltung mit so hochkarätigen Künstlern wie dem renommierten Augsburger Duo aus Stefanie Schlesinger, Gesang und Wolfgang Lackerschmid, Vibraphon.
Ebenso wie der Rezitator und langjährige Intendant des Ulmer Theaters, der Schauspieler und Regisseur Andreas von Studnitz, sind beide in Biberach nicht gänzlich unbekannt, hat Lackerschmid doch bereits vor knapp 20 Jahren eigens für das Wieland-Gymnasium das Musical „Labyrinth“ komponiert, welches nach seiner Uraufführung 1998 noch mehrfach in der Stadthalle Biberach aufgeführt wurde.
Gedichte großer Lyriker, ausdrucksvoll rezitiert durch von Studnitz oder feinsinnig vertont von Wolfgang Lackerschmid und Stefanie Schlesinger, welche deren Sinngehalt auch in ihren einfühlsamen Gesang und in die sensible Begleitung am Vibraphon einfließen ließen, entwickelten so eine immense Ausdruckstiefe. Im teilweisen auch interaktiven und improvisierten Zusammenwirken von Worten und Tönen entstanden so tiefgreifende Einsichten in den tieferen Sinn der Lyrik aber auch neue Assoziationen und emotionale Erfahrungen zum vertieften Verständnis. Das Ganze wurde somit zu mehr als nur zur Summe aller Teile.
Das Gedicht „Sinn des Lebens“ von Rainer Maria Rilke, tiefgründig interpretiert vom sympathischen Rezitator von Studnitz eröffnete den bunten Gedichte-Reigen, der abwechselnd von Textvertonungen Lackerschmids und Schlesingers fortgeführt wurde, bis die aufmerksam lauschenden Besucher mit dem „Karussell“ schließlich schwindlig gespielt waren. Mit der verbindenden Assoziation „Jahrmarkt“ ging es weiter mit dem berühmten Plärrerlied von Berthold Brecht, in unverblümter Anspielung auf das Augsburger Volksfest, welches – so Lackerschmid – dem Biberacher Schützenfest durchaus Konkurrenz machen kann. Treffend ausgewählte Brecht-Gedichte, aphoristische Zitate sowie das Sonett Nr.19 in der Vertonung von Lackerschmid folgten bis zur Pause, die, durchaus gewollt, neben lukullischen Aufmerksamkeiten der Stadtbuchhandlung auch zum Fachsimpeln genutzt wurde.
Im zweiten Set war nach einer Hommage an Markus Lüpertz, viel Abwechslung, Deftiges von Georg Kreisler oder Wolfgang A. Mozart, Humoriges, Lebensfrohes und Hoffnungsvolles von Schiller angesagt und erfreulicherweise gingen Künstler, Veranstalter und interessierte Besucher nach dem Konzert noch gemeinsam zum Fachsimpeln, zum Auffrischen alter Bekanntschaften oder zur vertieften Kontemplation bei der Einkehr im „Goldenen Rebstock“.













