"Joo’s Music Lesson" – Eine Schulstunde: Musikunterricht bei Joo Kraus
20. April 2026
Joo’s Music Lesson – Eine lehrreiche Schulstunde mit Joo Kraus
Der Raum 25 der Volkshochschule wurde zum Unterrichtsraum für den in die Rolle eines Musiklehrers geschlüpften mehrfachen Echo-Preisträger, Komponist und Jazztrompeter Joo Kraus. Die Klassenstärke lag deutlich höher als der übliche Klassenteiler allgemeinbildender Schulen zulassen würde. In der Stärke von über zwei Schulklassen – die „Schülerinnen und Schüler“ traten in gemischter Altersbesetzung von etwa 10 bis zu rund 90 Jahren zum Unterricht an – gaben sich die Eleven aber recht aufmerksam und interessiert.
Der „Lehrer“ bekundete, selbst deutlich aufgeregter zu sein, als bei seinen öffentlichen Konzerten üblich und begann, nach dem zugespielten Schulgong – durchaus überraschenderweise – mit dem zweiten Satz eines klassischen Trompetenkonzertes von Joseph Haydn. Der Überraschungseinstieg war gelungen, die Schülerschaft zeigte sich verwundert.
Das Equipment für Joo’s Unterricht bestand aus einem Sammelsurium von Blechblasinstrumenten, einem Laptop mit Studio-Software, elektronischen Helferlein in Form von, per Fußschalter zu bedienender Effektgeräte, einem Klavier, einer Verstärkeranlage und verschiedenen Dämpfern für Trompete. Der erste Teil des Unterrichts erwies sich als „Instrumentenkunde“, wie er in ähnlicher Form durchaus auch im schulischen Musikunterricht seinen Platz hat. Anschaulich vor allem durch die Präsentation echter Instrumente, die Demonstration der Tonerzeugung und klangliche Verfremdungen durch Dämpfereinsatz, auch im historischen Wandel.
Interessanter gestaltete sich der zweite Teil, in dem Joo Kraus den Werdegang eines Musikstückes vom ersten musikalischen Einfall bis zur fertigen Studioproduktion an einem konkreten Beispiel aufzeigte. Aufbauend in Mehrspurtechnik mit einer professionellen Studio-Software wurden die einzelnen kreativen Schritte im Verbund mit einer Produktionssoftware und live dazu gespielter Trompetenstimme verdeutlicht. Deutlich wurde dabei auch die Individualität eines schöpferischen Prozesses, der nicht einfach – wie die Nachfrage einer schon etwas älteren „Schülerin“ aus der dritten Reihe über das Potential künstlicher Intelligenz vermuten ließ – durch eine KI ersetzt werden kann. Deren Produkte, die leider bereits heute in vielen Spotify-Playlists zu finden sind, seien bestenfalls standardisierte Plagiate oder sogenannte „Stangenware“ für musikalische Laien und bereits heute die Hauptursache dafür, dass Künstler für ihre Kompositionen in Streaming-Portalen nahezu nichts verdienen. Ein deutliches Plädoyer für Live-Musik.
Mit dem ausdrücklichen Dank an die Veranstalter des Landesjazzfestivals Baden-Württemberg 2026, den Jazzclub Biberach und an die zahlreichen Besucher, die Live-Musik den ihr gebührenden Stellenwert einräumen, verabschiedete sich der alternative Musiklehrer Joo Kraus unter anhaltendem Beifall, diesmal ohne Schulgong.











